Neue Reihe: Aus dem Facilitator-Leben

Die Arbeit als Facilitator ist anspruchsvoll, abwechslungsreich und immer anders. Wie facettenreich sie ist, würden wir hier gerne immer mal wieder erzählen – beziehungsweise erzählen lassen! Den Anfang macht heute Ulrike, die 2017/18 ihre Ausbildung Facilitating Change bei uns absolviert hat und neben ihrer Tätigkeit als Personalerin zusätzlich als Facilitatorin in Projekten arbeitet. Sie erzählt uns von ihrem bisher eindrucksvollsten Erlebnis kurz nach der Ausbildung.

„Ich halte mich für einen sehr strukturierten Menschen, der den Workshop-Ablauf stets gut plant und immer vorbereitet in eine Veranstaltung geht.
Bei meiner Abschlussprüfung der Facilitator-Ausbildung drohte der zu begleitende Fall fast, als die Teilnehmer plötzlich eigene Ideen hatten, an denen sie jetzt arbeiten wollten. In der Theorie wusste ich, dass das passieren kann. So fühlte es sich also in der Praxis an! Ich war irritiert und sprachlos. Meine Facilitator-Partnerin verschaffte uns eine kurze Denk- und Verschnaufpause, indem sie uns allen eine kurze Kaffeepause verordnete. Diese Pause und unsere schnellen, kreativen Ideen retteten die Situation und letztlich unsere Prüfung.
Nach der Prüfung und einem high-five mit meiner Partnerin musste ich herzlich über mich lachen. Ich wusste, dass gerade ich einen solchen Fall in der Prüfung verdient hatte!
Als ich zehn Wochen später einen Workshop mit einem Team aus 21 Teilnehmern begleiten durfte, dauerte es keine zweieinhalb Stunden, bis das Team von meinem roten Faden abweichen wollte, um ein anderes, dringendes Thema zu bearbeiten. Mit einem breiten Grinsen nahm ich den Wunsch der Gruppe entgegen. Genau darauf war ich vorbereitet! Nach einer kurzen Kaffeepause, die mir Zeit verschaffte, mit einigen Fragen das neue Thema strukturiert anzugehen, arbeitete die Gruppe an ihrem Thema weiter. Später kamen wir auf den roten Faden zurück und konnten so unseren eigentlichen Auftrag abschließen.
Am Abend äußerten sich durchweg alle Teilnehmer sehr positiv zu der spontanen Planänderung und dieser Art der Teilnehmerorientierung. Mein Vorgehen hätte zum einen meine Flexibilität gezeigt und zum anderen das Vertrauen der Gruppe zu mir gestärkt und letztlich eine effektivere Zusammenarbeit gefördert.
Das Schicksal hat mich geprüft, aber ich war schon da und vorbereitet! Vielen Dank!“