Das war der Facilitator Community Day

"Diese Treffen helfen mir zu sehen, dass ich nicht der Klingone* im Unternehmen bin."

Am 8. Februar haben wir uns zum diesjährigen Netzwerktreffen - dem Facilitator Community Day - in Berlin getroffen. 

INPUT. Als externe Referentinnen waren am Vormittag Marion King und Gerhild Vollherbst von les enfants terribles zu Besuch. Der sechsköpfige Kern der „Community für gutes neues Arbeiten“ organisiert sich nach den Prinzipien der Soziokratie und durchlebt selbst die Palette an Emotionen, die die Einführung neuer Arbeitsmodelle (inkl. New Pay) mit sich bringt.

Während der Vorstellung gewisser Rahmenfaktoren für new work (wie z.B. Frithjof Bergmanns „Was du wirklich, wirklich (!) willst“: 1/3 Erwerbstätigkeit, 1/3 Selbstversorgung, 1/3 Selbstentfaltung“ –  siehe auch Foto) und ihrer Sicht auf New Work entwickelten sich Gesprächsstränge zu verschiedenen Themen:

  • Wachstumskritik und „People Planet Profit“- Haltung (das die enfants propagieren), daraus dann der Ruf nach „Entwicklung statt Wachstum“
  • Nichtwissen und der Umgang damit
  • die notwendige Verlangsamung am Anfang eines Prozesses
  • Industrie- und Wissenszeitalter und die Pendelbewegung zwischen den Organisationsformen Pyramide (Industriezeitalter) und Netzwerk (Wissenszeitalter). Hier machten wir uns noch einmal klar, wie tief uns die Pyramide in den Knochen steckt. Die haben wir gelernt in der Schule und zuhause – und das schon seit der Antike! – und dementsprechend so verinnerlicht, dass wir auch immer wieder schnell in sie zurückkippen. Zudem bleibt sie häufig in den Organisationen als Schattensystem vorhanden, auf das oftmals in der Krise wieder zurückgegriffen wird, auch wenn die offizielle Organisationsform eine andere ist.
  • Weiterhin kam die Frage auf, was die Pullfaktoren beim New-Work-Weg von der „Pyramide“ zur Netzwerkorganisation seien. Wir kamen zu dem Schluss, dass unter anderem auch Führungskräfte und Mitarbeitende der älteren Generationen (inzwischen) das Bedürfnis haben, Berufliches und Privates gleichermaßen zu leben und vor allen Dingen die Menschen nach Selbstwirksamkeit streben.

Besonders gefreut haben sich viele über ein Zitat von Laloux, der in einem Vortrag die Metapher vom Segeln verwendete und auf die Frage, was sei, wenn kein Wind wehe, nach kurzer Überlegung antwortete: „Dann weht eben keiner.“

Nebenbei noch ein Tipp zur Autoritätsforschung: Frank H. Baumann-Habersack

Die Haltung der enfants: Es geht darum, sich auf den Weg zu machen und zu fragen: Ist das gut, was wir tun für People – Planet – Profit. Und die Menschen dabei zu begleiten, mehr Bewusstsein zu entwickeln für das, was sie tun. Auch die enfants verstehen sich nicht als Lösungsbringer, sondern begleiten die Organisationen beim Finden ihrer Wege. „In dem Moment, in dem wir sagen, wir wissen die Lösung auch nicht, sitzen wir alle in einem Boot.“ Schöne Zusammenkunft: Das Nichtwissen im Wissenszeitalter – energievolle Mischung!

BARCAMP. Nach dem Mittag und einem pantomimischen Energizer am Lietzensee verbrachten wir den Nachmittag im Barcamp, dessen Themen sich größtenteils aus der Vormittagssession ableiteten:

  • Die hierarchischen Anteile in mir
  • Wie kommt man weg von der Pyramide?
  • Wie gehe ich mit meinem Nichtwissen um?

Untenstehend eine Sammlung von Stichworten zu den einzelnen Themen, die nicht ansatzweise einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Die hierarchischen Anteile in mir

  • Beim Chef Überlegenheit suchen
  • Wir verwechseln hierarchische Positionen mit struktureller Macht
  • Betriebsvereinbarungen nur noch als „Pilot-BV“ mit ausführlichen und oftmals anstrengenden Feedbackschleifen
  • Übergang von „Rot“ mit individueller Macht nach „Blau“ in kontrollierte Strukturen
  • „Wenn’s kritisch wird, mag ich meinen Chef“
  • Vorsicht vor Sonntagsreden bzw. „tun, was man sagt“, gilt auch und erst recht für die Chefs
  • Ist die Führungskraft installiert als Institution oder als Rolle?
  • Chefs sind Opfer des Narrativs, dass sie zuständig sind

Wie kommt man weg von der Pyramide?

  • Bei einem fahrenden Zug lassensich schwer die Wagons austauschen; darauf entstand die Idee, das Innenleben sei während der Fahrt leichter austauchbar oder veränderbar, aber auch das ist anspruchsvoll.
  • Management macht häufig nicht mit, steigt aber trotzdem in den fahrenden Zug ein
  • Das Management sollte verstehen, was es lostritt – was nicht immer der Fall ist – und sollte einverstanden sein.

Wie gehe ich mit meinem Nichtwissen um?

  • Nichtwissen kann beschränken
  • Wir haben gelernt, bei Nichtwissen in den Mangel zu gehen. Wenn man mit dem Nichtwissen in die Fülle geht, kann viel Neues entstehen
  • Wenn mein Wissenskoffer voll wäre, könnte ich nicht kreativ werden
  • „Ich kenn‘ mich aus mit Nichtwissen.“
  • Es herrscht ein Zwang zum „Bescheid wissen“
  • Wenn ich etwas nicht weiß
    • habe ich ENTWEDER unendlich viele Möglichkeiten
    • ODER kann ich immer wieder nur in dieselbe Kiste greifen. Indem ich „weiß“, schließe ich alle anderen Möglichkeiten aus
  • Die FFF-Schüler haben noch nicht gelernt, dass etwas nicht geht, und machen deswegen einfach
  • Wissen kann Handeln verhindern
  • In dem Moment, in dem ich sage „ich weiß auch nicht“, gehen die anderen in ihre Verantwortung.
  • Was du nicht machst, dürfen die anderen machen
  • „Wie gut, dass die Hummel nicht weiß, dass sie nicht fliegen kann.“
  • Das Wissen um die Grenzen ist nicht relevant für die Lösung
  • Die Unwissenheit zur gemeinsamen Unsicherheit machen.
  • Judging versus Perceiving

Zu guter Letzt. Eine Teilnehmerin sagte beim Checkout: „Es lachte aus der School, als ich ankam“. Das wollten wir gern teilen, denn es war wieder ein Treffen mit viel Fülle und Leichtigkeit. Ebenfalls aus dem Check-out stammt das Zitat im Titel. Wir sind sehr froh, dass wir weiterhin keine Klingonen in den oder für die Organisationen sind – ein bisschen Stören machen wir aber trotzdem gern. Liebevoll, respektvoll und in der Wahrnehmung dessen, was ist.

Ulrike Gregor

 

 


*Klingonen: Star Trek. Die Klingonen, (sog. Weltraumrussen) jeder kennt sie. Unsere haarigen, vernarbten, stets miesgelaunten Freunde vom Qo'nos. Sie sind der beste Beweis dafür, dass Intelligenz nicht zwingend erforderlich ist, um im All herumzuirren. Unsere unterbelichteten, stark behaarten und schwer asozialen Freunde (?) aus dem All gehören genau wie ihre Verwandten (Melonen, Zitronen) zur Gattung der Hülsenfrüchte. Entstanden sind sie angeblich durch irgendwelche Fehlfunktionen in einem Atomkraftwerk... (!) Quelle: https://www.stupidedia.org/stupi/Klingonen